Wenn es um Begabungen bei Kindern geht, ist oft zu hören: Einer hat es, der andere nicht. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn zunächst müssen die Eltern erkennen, was der Nachwuchs sehr gut kann. Und dann müssen diese Talente auch richtig gefördert werden, was nicht immer ganz einfach ist.

Talente sind sehr komplex

Talente können bereits durch die Prägung im Mutterleib, die Gene und auch durch die jeweiligen Lebensbedingungen entstehen. Diese Punkte beeinflussen sich gegenseitig und sorgen dafür, dass Kinder zuerst die Bereiche entdecken, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden. Der eine findet Gitarren interessant, der anderen hingegen Fußbälle. Auch beides gleichzeitig ist möglich, denn hierbei ist alles erlaubt, was Spaß macht. Grundsätzlich sollten Kinder ausprobieren, was ihnen Freude bereitet. Dadurch lässt sich schnell erkennen, ob sie in diesem Bereich auch Talente besitzen.

Eine anregungsreiche Umwelt kann sehr hilfreich sein

Um mögliche Begabungen zu erkennen, ist eine anregungsreiche Umwelt sehr hilfreich. In dieser kann sich der Nachwuchs selber aussuchen, womit er sich beschäftigt. Die Eltern müssen hierbei nur beobachten, welche Dinge sehr leicht gelingen und welche eher schwerfallen. Hierbei sollten die Interessen und die Bedürfnisse den Maßstab darstellen. Denn das Kind muss sich wohlfühlen. Nur wenn etwas gerne getan wird, kann mit der Zeit eine Verbesserung eintreten.

Jedes Kind hat eine Begabung

Grundsätzlich gibt es keine unbegabten Kinder. Denn eine Begabung kann sehr vielseitig sein und bezieht sich nicht lediglich auf eine bestimmte Leistung. So wird zum Beispiel zwischen folgenden Begabungen unterschieden:

  • sprachliche Begabung
  • mathematisches Talent
  • sportliche und motorische Fähigkeiten
  • räumliche Intelligenz
  • musikalische Begabung
  • kreativ-bildnerische Begabung

 

Ein Kind braucht Zeit und auch Raum, um seine Talente und Begabungen richtig entwickeln zu können. Die Eltern stellen hierbei zuverlässige, unterstützende und auch anregende Begleiter dar.

Vorlesen als ideales Mittel

Natürlich ist es berufstätigen Eltern nicht möglich, dem Nachwuchs mehrfach täglich ein Buch vorzulesen. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn hierbei spielt weniger die Perfektion, sondern vielmehr die Prioritätensetzung eine Rolle. So kann zum Beispiel jeden Abend vor dem Schlafengehen gemeinsam ein Bilderbuch angesehen oder dem Nachwuchs eine schöne Geschichte vorgelesen werden. Dadurch werden die visuellen und sprachlichen Fähigkeiten ideal gefördert. Zudem fühlt sich das Kind geborgen, wodurch es an Wohlbefinden und Selbstwertgefühl gewinnt.

Wichtig ist, dass mit ihm über die unterschiedlichen Bilder und Geschichten gesprochen wird. Der Nachwuchs sollte jederzeit Fragen stellen dürfen und Ideen entwickeln können, auch wenn sich das Vorlesen dadurch etwas länger gestaltet.

Gemeinsame Aktivitäten machen mehr Spaß

Wenn diverse Aktivitäten zusammen mit dem Nachwuchs unternommen werden, hat dieser mehr Spaß daran. Wichtig ist, dass er immer wieder gelobt und ermutigt wird. Eine schöne Idee ist es zum Beispiel, gemeinsam einige Instrumente zu basteln. Hierfür eignen sich viele Gegenstände aus dem Haushalt, wie zum Beispiel ein Putzeimer, ein Schneebesen, ein Topfdeckel oder auch mit Reis gefüllte Vorratsdosen. Hat der Nachwuchs Spaß am Musizieren, ist vielleicht schon die erste Begabung gefunden.

Erfolg als Gradmesser

Um ein Talent zu fördern, ist Erfolg ein wichtiger Gradmesser. Dadurch lässt sich erkennen, was das eigene Kind besser kann als andere. Insbesondere beim Sport, beim Musizieren oder auch im künstlerischen Bereich fallen sehr gute Leistungen und eventuelle Talente schnell auf. Trainer in einem Sportverein oder Lehrer in der Schule können hierzu von den Eltern befragt werden. Denn diese können sehr gut beurteilen, ob es zu einer Verbesserung gekommen ist.

Beachtet werden sollte allerdings, dass ein Talent nicht bloß eine Spezialfähigkeit ist. Damit es sich perfekt entfalten kann, muss es gezielt gefördert werden. Denn in den meisten Fällen entwickelt es sich nicht von allein, ohne dass etwas dafür getan werden muss. Ein Beispiel hierfür ist Mozart, der nicht nur sehr gut komponieren konnte, sondern eine sehr starke Beziehung zu der Musik hatte. Allerdings sollte der Nachwuchs vor der Einschulung zunächst einige Kompetenzen durch die gemachten Erfahrungen erwerben, wie zum Beispiel Frustrationstoleranz, Motivierbarkeit oder Flexibilität.

Welche Eigenschaft gezielt gefördert wird, hängt von dem jeweiligen Bereich ab. Zudem sollte auch überlegt werden, wie weit es der Nachwuchs später bringen soll und will. Viele erfolgreiche Geigenspieler haben beispielsweise bereits vor dem sechsten Lebensjahr mit dem Üben begonnen. Will der Nachwuchs später einmal ein Spitzensportler werden, sollte er aufgrund der motorischen Entwicklung acht bis zwölf Jahre alt sein, um spezifisch zu trainieren.

Somit wird also klar, dass die Eltern eine wichtige Rolle bei dem Erkennen und Fördern der Begabungen des Kindes spielen. Wichtig ist nur, dass es selber entscheidet, was es lernen will und was nicht, Zwang ist kontraproduktiv und stört die Entwicklung.

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